- - Ist der 29er wirklich nur 2,90 Meter lang oder
was bedeutet 29er?
- - Mit welchem Mannschaftsgewicht ist der 29er
segelbar?
- - Wie leicht ist ein gekenterter 29er
aufzurichten?
- - Ist der 29er auf meinem Revier segelbar?
- - Wie wertbeständig ist der 29er?
- - Wie sind die Aufgaben zwischen Steuermann und
Vorschoter verteilt?
- - Sind Foliensegel empfindlicher als
Dacron-Segel?
- - Welche Trimmmöglichkeiten bietet ein 29er?
- - Kann man den 29er auch bei weniger als 2
Beaufort segeln?
- - Ist der 29er auch Einhand beherrschbar?
- - Wer fährt im 29er die Schoten?
- - Ist der 29er ein reines Jugendboot?
- - Kann man den 29er auch auf einem
Wasserliegeplatz parken?
- - Ist ein Transport auf dem Autodach möglich?
- - Welche Geschwindigkeiten sind mit einem 29er zu
erreichen?
- - Was bedeutet One-Design Klasse? Welche Vor-
und Nachteile bietet dies?
- - Wie qualifiziere ich mich für die IDJM?
- - Wie berechnen sich die Ranglistenpunkte?
- - Woran erkennt man 29er Segler?
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Ist der 29er wirklich
nur 2,90 Meter lang oder was bedeutet 29er?
Nein, der Name 29er hat nichts mit der Länge zu tun, weder in Fuß noch in
Metern. Beim 49er entstand der Name wirklich aus der Rumpflänge von 4,99 m.
Aber der 29er ist 4,45 m lang. Ein Four-Fourty-Fiver hätte sich irgendwie blöd
angehört, oder? Deshalb haben sich die Namensgeber gedacht, wir begründen aus
dem 49er die 9er Familie und staffeln die verschiedenen Boote dieser Familie
anhand der ersten Ziffer. Die Ordnung bezieht sich hier auf das
"Alter" der Segler, man könnte quasi mit dem 29er anfangen, dann
(wenn Geld, Gewicht und Fitness ausreichen) auf den 49er gehen und wenn der zu
schnell oder man zu schwer geworden ist im 59er enden ;-) Aus diesem Grund ist
der 59er (übrigens 4,70 Meter lang) 59er genannt worden obwohl er eigentlich
39er heißen sollte, er ist ohne Trapez etwas für die ältere und gemütliche
Liga die nicht auf Segelspaß und Speed verzichten will. Übrigens passt 29er
zufällig etwa zur Downwind-Segelfläche, was aber nichts mit der Namensgebung
zu tun hat. Ganz neu gibt es jetzt auch den 29erXX bzw. ein Upgrade-Kit für den
29er. Hierzu bekommt der bewährte 29er Rumpf ein größeres Rigg mit
toppgetakeltem Gennaker und einem zweiten Trapez. Vielleicht gibt es dann
irgendwann noch einen 19er in Teenygröße mit Gennaker ;-). Einen 9er (mit
gerademal 15 kg Rumpfgewicht!) für die Singlehand-Minis gibt es bereits.
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Mit welchem
Mannschaftsgewicht ist der 29er segelbar?
Der 29er ist ausgelegt für ein Mannschaftsgewicht von etwa 90 bis 160 kg. Ein
so extrem leichtes Boot reagiert natürlich sehr empfindlich auf das
Mannschaftsgewicht, welches in der Regel weit über die Hälfte des
Gesamtgewichts ausmacht. Mit über 160 kg wird man bei Kabelwelle und wenig
Wind zumindest auf Regatten nicht mehr glücklich. Die bei allen Bedingung
einigermaßen schnellen Teams wiegen wohl zwischen 110 und 145 kg.
- Wie leicht ist ein
gekenterter 29er aufzurichten?
Ein gekenterter 29er taucht durch das geringe Auftriebsvolumen recht tief ein,
so dass das Schwert kurz über der Wasseroberfläche bleibt. Daher ist es
vergleichsweise einfach auf das Schwert zu kommen, und das Boot kentert nur
sehr langsam durch. Ab etwa 50 kg auf dem Schwert ist das Boot gut
aufzurichten. Nach dem Aufrichten erfordert es je nach Wind und Welle etwas
Geschick das Boot schnell wieder unter Kontrolle zu bekommen damit es nicht
wieder umkippt. Das Wasser fließt selbständig durch die Öffnungen im
Spiegel aus dem Schiff. Pützen oder verletzungsgefährliche Selbstlenzer sind
also überflüssig...
- Ist der 29er auf
meinem Revier segelbar?
Entgegen leider hartnäckigen Gerüchten ist der 29er auf fast jedem Revier zu
segeln. Ein großes Revier ist absolut kein Muss! Vielmehr ist das Segeln bei
Welle auf großen Revieren im 29er schon eher die anspruchsvollere
Königsdisziplin. Durch das einfache Gennaker System und die Selbstwendefock
sind zahlreiche Manöver überhaupt nicht unangenehm und mit etwas Übung kann
man die Halsen bei gutem Wind sehr schnell durchgleiten. Auch das Setzen und
Bergen des Gennakers erfolgt um einiges unkomplizierter und schneller als bei
klassischen Spinnakersystemen.
Einzig die Wassertiefe sollte aufgrund des Steckschwertes ausreichend sein um
nicht zu häufig in voller Fahrt aufzulaufen. Der 29er überschlägt sich zwar
recht spektakulär bei übermäßiger Grundberührung aber auf Dauer macht das
keinen Spass. Das robuste Aluminium-Schwert und die solide Einfassung des
Schwertes im Rumpf halten die Schäden verhältnismäßig gering.
- Wie wertbeständig
ist der 29er?
Insbesondere der Rumpf des 29ers hat sich in den vergangenen Jahren als
äußerst robust bewährt. Die Boote aus den ersten Jahren von 1999 und 2000
segeln mit ein bisschen Pflege noch absolut konkurrenzfähig mit. Dank der
modernern Sandwichkonstruktion wird der Rumpf trotz seines geringen Gewichtes
nicht weich. Der Mast kann im seltenen Schadensfall
"abschnittsweise" erneuert werden da er dreiteilig montiert ist.
Aber auch alle sonstigen Teile des Bootes und Riggs sind dank einer
durchdachten Konstruktion ausgesprochen langlebig.
- Wie sind die Aufgaben
zwischen Steuermann und Vorschoter verteilt?
Das Beschlagslayout läßt hier den Seglern die Vergabe aller Jobs offen. Im
Prinzip kann jeder alles machen. Auf manchen Booten setzt und birgt auch der
Steuermann beispielsweise den Gennaker und bedient die Fockschot.
- Sind Foliensegel
empfindlicher als Dacron-Segel?
In vielen Klassen in denen die minimalen Tuchgewichte nicht oder nur sehr
niedrig festgesetzt sind werden die Vorteile der Mylar Folie so weit zu
Gunsten geringeren Gewichts ausgenutzt, dass diese Segel zum Teil recht
empfindlich sind. Der 29er ist absolute One-Design-Klasse und die Stärke der
Folie ist ausreichend um eine ganze Menge auszuhalten. Ein ganz besonderer
Vorteil der Folie ist, dass die Segel ihr Profil praktisch nie verlieren.
Durch die durchgehenden Latten in Groß und Fock wird die Lebensdauer der
Segel zusätzlich erhöht. Sollte ein Segel doch einmal durch einen
unglücklichen Sprung ins Segel beim Kentern o.ä. einreißen lässt es sich
auch sehr gut wieder reparieren.
- Welche
Trimmmöglichkeiten bietet ein 29er?
Der Grobtrimm des 29ers ist durch feste Vorstaglänge (oben und unten
eingehakt) und starre Salinge bewusst extrem einfach gehalten. An Land kann
somit nur die Riggspannung in einem eingeschränkten Bereich vorgewählt
werden. Auf dem Wasser kann man sich voll auf das Bootshandling konzentrieren
und Kicker (Baumniederdrücker), Vorliekstrecker, Unterliek und Holepunkte der
Fock einstellen. Besonders empfindlich reagiert das Boot auch auf den
Gewichtstrimm in Längsrichtung. Alle Systeme sind bewusst einfach und
aufgeräumt angeordnet, so dass keine unnötigen Leinengewirre und
Stolperfallen im Boot liegen. Selbst die Vorläufer der Fallen werden in einer
praktischen Tasche im Segel verstaut.
- Kann man den 29er
auch bei weniger als 2 Beaufort segeln?
Auch hier besteht leider ein absolut unsinniges Vorurteil. Selbstverständlich
ist ein leichtes Boot mit so viel Segelfläche wie der 29er besonders bei
schwachem Wind sehr attraktiv zu segeln. Selbst bei wenig Wind kommt man nach
einigen Stunden vom Wasser und hat nicht nur ein paar Stunden auf nem Boot
gesessen sondern wirklich Sport gemacht.
- Ist der 29er auch
Einhand beherrschbar?
Mit etwas Geschick und langen Twintillern (Doppelausleger) ist der 29er auch
sehr gut Einhand zu segeln. Dank Selbstwendefock und simplem Gennakersystem
fehlen dem geübten Segler auch keine zusätzlichen Hände im Manöver. Bis zu
ca. 4 Beaufort entwickelt das Boot ein geradezu beängstigendes Speedpotential
und ist auch mit Gennaker und Trapez noch zu beherrschen. Einhand entwickelt
sich das Boot zu einem extremen Turngerät.
- Wer fährt im 29er
die Schoten?
Dank der üblichen Montage des letzten Großschotblocks am Baum ist man hier
absolut frei. Im Moment ist die Tendenz wohl so, dass bei Leicht- und
Mittelwind die meisten Steuerleute die Schot fahren, während in stärkeren
Winden die Schotten die Schot übernehmen. Der schotende Steuermann bringt den
Vorteil der feineren Koordination mit dem Steuern und des effektiver
trapezenden Schotten während der Vorschoter einfach eine zusätzliche Hand
für die Schot zur Verfügung hat. Die Schot der Selbstwendefock ist ebenfalls
so angebracht, dass sie sowohl vom Vorschoter als auch vom Steuermann gut zu
bedienen ist. Im Zweifelsfalls sollte derjenige die Großschot fahren, der
nicht gleichzeitig für die Taktik zuständig ist und der im günstigsten Fall
noch die dickeren Arme hat ;-)
- Ist der 29er ein
reines Jugendboot?
Nein, auch wenn der 29er gut für sportliche Jugendsegler geeignet ist, bietet
er auch allen älteren Teams bei denen das Mannschaftsgewicht passt enorm viel
Segelspaß und eine sportliche Herausforderung. Durch die flexible
Aufgabenverteilung ist das Boot auch ideal zum Generationen-übergreifenden
Segeln geeignet.
- Kann man den 29er
auch auf einem Wasserliegeplatz parken?
Ja, kann man. Allerdings nur im durchgekenterten Zustand. Ansonsten ist das
Boot viel zu instabil und kippt mangels Anfangsstabilität auch ohne Wind und
Segel einfach um.
- Ist ein Transport auf
dem Autodach möglich?
Ja, bedingt durch das geringe Gewicht ist ein Autodachtransport möglich. Am
einfachsten ist es das Boot mitsamt Slipwagen aufrecht auf den Dachträgern zu
befestigen. Hier sind selbstverständlich die zulässigen Dachlasten von
Trägern und Fahrzeug zu berücksichtigen.
- Welche
Geschwindigkeiten sind mit einem 29er zu erreichen?
Dank des ausgewogenen Designs und des modernen Riggs sind Geschwindigkeiten
deutlich über 20 Knoten problemlos zu erreichen und zu kontrollieren. Das
besonders im Toppbereich sehr weiche Rigg federt Böen sehr gut ab und macht
dadurch die Segelfläche gut beherrschbar. Die Geschwindigkeit unter Gennaker
überschreitet oft die Windgeschwindigkeit, so dass in Halsen der scheinbare
Wind sehr schwach ist oder gar von vorne kommt, was die Halsen extrem
vereinfacht.
- Was bedeutet
One-Design Klasse? Welche Vor- und Nachteile bietet dies?
One-Design bedeutet, dass eigentlich jeder mit identischen Material segelt.
Man braucht also keine Zeit für aufwändiges Testen von Material
unterschiedlicher Hersteller zu verwenden und man muss nicht für jedes Wetter
darauf abgestimmtes Material fahren. Ein interessanter Nebeneffekt ist auch,
dass es zu den Booten schlicht und ergreifend keine Messbriefe sondern nur
eine im Schwertkasten und am Heck eingeprägte Baunummer gibt, da man sofort
erkennt ob das Material von einem lizensierten Hersteller kommt. Theoretisch
birgt das One-Design-Konzept die Gefahr von überzogenen Preisen. Dies wird
aber im 29er sehr bewusst kontrolliert und vermieden. So laufen zum Beispiel
regelmäßig Ausschreibungen, welche Segelmacher die Lizenzen für die
kommenden Jahre bekommen. Hierbei müssen sich die Segelmacher nicht nur mit
hochwertigen Segeln, sondern auch mit möglichst günstigen, zugesicherten
Preisen bewerben.
- Wie qualifiziere ich
mich für die IDJM?
Die Qualifikation zur IDJM ist in den Ordnungsvorschriften des DSV bzw.
genauer in der Anlage
2 der Meisterschaftsordnung geregelt. Meldeberechtigt sind nur jugendliche
Teams (also beide Segler dürfen in dem Jahr maximal 19 werden), deren
Steuermensch sich mit ebenfalls jugendlichen Vorschotern qualifiziert hat. Für
die Meldung benötigt ihr mindestens 25 Punkte in der gleitenden Rangliste des
Qualifikationszeitraums bis 14 Tage vor Meldeschluss.
Übrigens müssen sich alle Segler vor der Anmeldung zur IDJM beim DSV
registriert haben!!
- Wie berechnen sich
die Ranglistenpunkte?
Die Ranglisten werden immer für den Zeitraum von einem Jahr berechnet. Der
jeweilige Stichtag ist in der Regel in der Überschrift angegeben. Bei
Jahresranglisten gilt der 31. Dezember. Für die Qualifikation zu den
Meisterschaften gibt es einen Stichtag kurz vor Meldeschluss.
Mit Ausnahme der Vorschoterrangliste, werden die Punkte dem Steuermann
zugeschrieben. Daher werden einige Segler mit mehreren Vorschotern in der
Rangliste geführt. Bei einer Umstellung des Teams werden nicht mehr aktuelle
Vorschoter erst dann nicht mehr geführt, wenn alle gewerteten Regatten mit der
neuen Besetzung gesegelt wurden. Für die Plazierung in der Rangliste wird immer
der Durchschnitt der besten neun Wertungen berücksichtigt. Dabei kann abhängig
von der Anzahl der Wettfahrten eine zweitägige Regatta maximal dreimal und eine
längere Regatta maximal fünfmal gewertet werden.
Die einzelnen Punkte zu jeder Regatta berechnen sich nach folgender Formel:
Der Gewinner der Regatta bekommt also immer das Hunderfache des Faktors und der
Letzte knapp mehr als null Punkte. Dazwischen wird gleichmäßig nach
Gesamtplatz verteilt. Ein auf den ersten Blick mäßig guter Platz bei einer
hochrangigen deutschen oder internationalen Regatta kann also unter Umständen
weniger Punkte bringen als der Sieg bei einer normalen Dorfregatta.
Regatten mit weniger als zehn mindestens einmal durchs Ziel gesegelten Booten
werden nicht in der Rangliste berücksichtigt.
Die offizielle Formulierung für die Berechnung der Rangliste ist in den Ordnungsvorschriften des DSV bzw.
genauer in der Ranglistenordnung
nachzulesen.
- Woran erkennt man
29er Segler?
Am breiten Grinsen nach dem Segeln, welches oft nur noch operativ zu entfernen
ist ;-)