1. - Ist der 29er wirklich nur 2,90 Meter lang oder was bedeutet 29er?
  2. - Mit welchem Mannschaftsgewicht ist der 29er segelbar?
  3. - Wie leicht ist ein gekenterter 29er aufzurichten?
  4. - Ist der 29er auf meinem Revier segelbar?
  5. - Wie wertbeständig ist der 29er?
  6. - Wie sind die Aufgaben zwischen Steuermann und Vorschoter verteilt?
  7. - Sind Foliensegel empfindlicher als Dacron-Segel?
  8. - Welche Trimmmöglichkeiten bietet ein 29er?
  9. - Kann man den 29er auch bei weniger als 2 Beaufort segeln?
  10. - Ist der 29er auch Einhand beherrschbar?
  11. - Wer fährt im 29er die Schoten?
  12. - Ist der 29er ein reines Jugendboot?
  13. - Kann man den 29er auch auf einem Wasserliegeplatz parken?
  14. - Ist ein Transport auf dem Autodach möglich?
  15. - Welche Geschwindigkeiten sind mit einem 29er zu erreichen?
  16. - Was bedeutet One-Design Klasse? Welche Vor- und Nachteile bietet dies?
  17. - Wie qualifiziere ich mich für die IDJM?
  18. - Wie berechnen sich die Ranglistenpunkte?
  19. - Woran erkennt man 29er Segler?













- Ist der 29er wirklich nur 2,90 Meter lang oder was bedeutet 29er?

Nein, der Name 29er hat nichts mit der Länge zu tun, weder in Fuß noch in Metern. Beim 49er entstand der Name wirklich aus der Rumpflänge von 4,99 m. Aber der 29er ist 4,45 m lang. Ein Four-Fourty-Fiver hätte sich irgendwie blöd angehört, oder? Deshalb haben sich die Namensgeber gedacht, wir begründen aus dem 49er die 9er Familie und staffeln die verschiedenen Boote dieser Familie anhand der ersten Ziffer. Die Ordnung bezieht sich hier auf das "Alter" der Segler, man könnte quasi mit dem 29er anfangen, dann (wenn Geld, Gewicht und Fitness ausreichen) auf den 49er gehen und wenn der zu schnell oder man zu schwer geworden ist im 59er enden ;-) Aus diesem Grund ist der 59er (übrigens 4,70 Meter lang) 59er genannt worden obwohl er eigentlich 39er heißen sollte, er ist ohne Trapez etwas für die ältere und gemütliche Liga die nicht auf Segelspaß und Speed verzichten will. Übrigens passt 29er zufällig etwa zur Downwind-Segelfläche, was aber nichts mit der Namensgebung zu tun hat. Ganz neu gibt es jetzt auch den 29erXX bzw. ein Upgrade-Kit für den 29er. Hierzu bekommt der bewährte 29er Rumpf ein größeres Rigg mit toppgetakeltem Gennaker und einem zweiten Trapez. Vielleicht gibt es dann irgendwann noch einen 19er in Teenygröße mit Gennaker ;-). Einen 9er (mit gerademal 15 kg Rumpfgewicht!) für die Singlehand-Minis gibt es bereits.

- Mit welchem Mannschaftsgewicht ist der 29er segelbar?

Der 29er ist ausgelegt für ein Mannschaftsgewicht von etwa 90 bis 160 kg. Ein so extrem leichtes Boot reagiert natürlich sehr empfindlich auf das Mannschaftsgewicht, welches in der Regel weit über die Hälfte des Gesamtgewichts ausmacht. Mit über 160 kg wird man bei Kabelwelle und wenig Wind zumindest auf Regatten nicht mehr glücklich. Die bei allen Bedingung einigermaßen schnellen Teams wiegen wohl zwischen 110 und 145 kg.

- Wie leicht ist ein gekenterter 29er aufzurichten?

Ein gekenterter 29er taucht durch das geringe Auftriebsvolumen recht tief ein, so dass das Schwert kurz über der Wasseroberfläche bleibt. Daher ist es vergleichsweise einfach auf das Schwert zu kommen, und das Boot kentert nur sehr langsam durch. Ab etwa 50 kg auf dem Schwert ist das Boot gut aufzurichten. Nach dem Aufrichten erfordert es je nach Wind und Welle etwas Geschick das Boot schnell wieder unter Kontrolle zu bekommen damit es nicht wieder umkippt. Das Wasser fließt selbständig durch die Öffnungen im Spiegel aus dem Schiff. Pützen oder verletzungsgefährliche Selbstlenzer sind also überflüssig...

- Ist der 29er auf meinem Revier segelbar?

Entgegen leider hartnäckigen Gerüchten ist der 29er auf fast jedem Revier zu segeln. Ein großes Revier ist absolut kein Muss! Vielmehr ist das Segeln bei Welle auf großen Revieren im 29er schon eher die anspruchsvollere Königsdisziplin. Durch das einfache Gennaker System und die Selbstwendefock sind zahlreiche Manöver überhaupt nicht unangenehm und mit etwas Übung kann man die Halsen bei gutem Wind sehr schnell durchgleiten. Auch das Setzen und Bergen des Gennakers erfolgt um einiges unkomplizierter und schneller als bei klassischen Spinnakersystemen.
Einzig die Wassertiefe sollte aufgrund des Steckschwertes ausreichend sein um nicht zu häufig in voller Fahrt aufzulaufen. Der 29er überschlägt sich zwar recht spektakulär bei übermäßiger Grundberührung aber auf Dauer macht das keinen Spass. Das robuste Aluminium-Schwert und die solide Einfassung des Schwertes im Rumpf halten die Schäden verhältnismäßig gering.

- Wie wertbeständig ist der 29er?

Insbesondere der Rumpf des 29ers hat sich in den vergangenen Jahren als äußerst robust bewährt. Die Boote aus den ersten Jahren von 1999 und 2000 segeln mit ein bisschen Pflege noch absolut konkurrenzfähig mit. Dank der modernern Sandwichkonstruktion wird der Rumpf trotz seines geringen Gewichtes nicht weich. Der Mast kann im seltenen Schadensfall "abschnittsweise" erneuert werden da er dreiteilig montiert ist. Aber auch alle sonstigen Teile des Bootes und Riggs sind dank einer durchdachten Konstruktion ausgesprochen langlebig.

- Wie sind die Aufgaben zwischen Steuermann und Vorschoter verteilt?

Das Beschlagslayout läßt hier den Seglern die Vergabe aller Jobs offen. Im Prinzip kann jeder alles machen. Auf manchen Booten setzt und birgt auch der Steuermann beispielsweise den Gennaker und bedient die Fockschot.

- Sind Foliensegel empfindlicher als Dacron-Segel?

In vielen Klassen in denen die minimalen Tuchgewichte nicht oder nur sehr niedrig festgesetzt sind werden die Vorteile der Mylar Folie so weit zu Gunsten geringeren Gewichts ausgenutzt, dass diese Segel zum Teil recht empfindlich sind. Der 29er ist absolute One-Design-Klasse und die Stärke der Folie ist ausreichend um eine ganze Menge auszuhalten. Ein ganz besonderer Vorteil der Folie ist, dass die Segel ihr Profil praktisch nie verlieren. Durch die durchgehenden Latten in Groß und Fock wird die Lebensdauer der Segel zusätzlich erhöht. Sollte ein Segel doch einmal durch einen unglücklichen Sprung ins Segel beim Kentern o.ä. einreißen lässt es sich auch sehr gut wieder reparieren.

- Welche Trimmmöglichkeiten bietet ein 29er?

Der Grobtrimm des 29ers ist durch feste Vorstaglänge (oben und unten eingehakt) und starre Salinge bewusst extrem einfach gehalten. An Land kann somit nur die Riggspannung in einem eingeschränkten Bereich vorgewählt werden. Auf dem Wasser kann man sich voll auf das Bootshandling konzentrieren und Kicker (Baumniederdrücker), Vorliekstrecker, Unterliek und Holepunkte der Fock einstellen. Besonders empfindlich reagiert das Boot auch auf den Gewichtstrimm in Längsrichtung. Alle Systeme sind bewusst einfach und aufgeräumt angeordnet, so dass keine unnötigen Leinengewirre und Stolperfallen im Boot liegen. Selbst die Vorläufer der Fallen werden in einer praktischen Tasche im Segel verstaut.

- Kann man den 29er auch bei weniger als 2 Beaufort segeln?

Auch hier besteht leider ein absolut unsinniges Vorurteil. Selbstverständlich ist ein leichtes Boot mit so viel Segelfläche wie der 29er besonders bei schwachem Wind sehr attraktiv zu segeln. Selbst bei wenig Wind kommt man nach einigen Stunden vom Wasser und hat nicht nur ein paar Stunden auf nem Boot gesessen sondern wirklich Sport gemacht.

- Ist der 29er auch Einhand beherrschbar?

Mit etwas Geschick und langen Twintillern (Doppelausleger) ist der 29er auch sehr gut Einhand zu segeln. Dank Selbstwendefock und simplem Gennakersystem fehlen dem geübten Segler auch keine zusätzlichen Hände im Manöver. Bis zu ca. 4 Beaufort entwickelt das Boot ein geradezu beängstigendes Speedpotential und ist auch mit Gennaker und Trapez noch zu beherrschen. Einhand entwickelt sich das Boot zu einem extremen Turngerät.

- Wer fährt im 29er die Schoten?

Dank der üblichen Montage des letzten Großschotblocks am Baum ist man hier absolut frei. Im Moment ist die Tendenz wohl so, dass bei Leicht- und Mittelwind die meisten Steuerleute die Schot fahren, während in stärkeren Winden die Schotten die Schot übernehmen. Der schotende Steuermann bringt den Vorteil der feineren Koordination mit dem Steuern und des effektiver trapezenden Schotten während der Vorschoter einfach eine zusätzliche Hand für die Schot zur Verfügung hat. Die Schot der Selbstwendefock ist ebenfalls so angebracht, dass sie sowohl vom Vorschoter als auch vom Steuermann gut zu bedienen ist. Im Zweifelsfalls sollte derjenige die Großschot fahren, der nicht gleichzeitig für die Taktik zuständig ist und der im günstigsten Fall noch die dickeren Arme hat ;-)

- Ist der 29er ein reines Jugendboot?

Nein, auch wenn der 29er gut für sportliche Jugendsegler geeignet ist, bietet er auch allen älteren Teams bei denen das Mannschaftsgewicht passt enorm viel Segelspaß und eine sportliche Herausforderung. Durch die flexible Aufgabenverteilung ist das Boot auch ideal zum Generationen-übergreifenden Segeln geeignet.

- Kann man den 29er auch auf einem Wasserliegeplatz parken?

Ja, kann man. Allerdings nur im durchgekenterten Zustand. Ansonsten ist das Boot viel zu instabil und kippt mangels Anfangsstabilität auch ohne Wind und Segel einfach um.

- Ist ein Transport auf dem Autodach möglich?

Ja, bedingt durch das geringe Gewicht ist ein Autodachtransport möglich. Am einfachsten ist es das Boot mitsamt Slipwagen aufrecht auf den Dachträgern zu befestigen. Hier sind selbstverständlich die zulässigen Dachlasten von Trägern und Fahrzeug zu berücksichtigen.

- Welche Geschwindigkeiten sind mit einem 29er zu erreichen?

Dank des ausgewogenen Designs und des modernen Riggs sind Geschwindigkeiten deutlich über 20 Knoten problemlos zu erreichen und zu kontrollieren. Das besonders im Toppbereich sehr weiche Rigg federt Böen sehr gut ab und macht dadurch die Segelfläche gut beherrschbar. Die Geschwindigkeit unter Gennaker überschreitet oft die Windgeschwindigkeit, so dass in Halsen der scheinbare Wind sehr schwach ist oder gar von vorne kommt, was die Halsen extrem vereinfacht.

- Was bedeutet One-Design Klasse? Welche Vor- und Nachteile bietet dies?

One-Design bedeutet, dass eigentlich jeder mit identischen Material segelt. Man braucht also keine Zeit für aufwändiges Testen von Material unterschiedlicher Hersteller zu verwenden und man muss nicht für jedes Wetter darauf abgestimmtes Material fahren. Ein interessanter Nebeneffekt ist auch, dass es zu den Booten schlicht und ergreifend keine Messbriefe sondern nur eine im Schwertkasten und am Heck eingeprägte Baunummer gibt, da man sofort erkennt ob das Material von einem lizensierten Hersteller kommt. Theoretisch birgt das One-Design-Konzept die Gefahr von überzogenen Preisen. Dies wird aber im 29er sehr bewusst kontrolliert und vermieden. So laufen zum Beispiel regelmäßig Ausschreibungen, welche Segelmacher die Lizenzen für die kommenden Jahre bekommen. Hierbei müssen sich die Segelmacher nicht nur mit hochwertigen Segeln, sondern auch mit möglichst günstigen, zugesicherten Preisen bewerben.

- Wie qualifiziere ich mich für die IDJM?

Die Qualifikation zur IDJM ist in den Ordnungsvorschriften des DSV bzw. genauer in der Anlage 2 der Meisterschaftsordnung geregelt. Meldeberechtigt sind nur jugendliche Teams (also beide Segler dürfen in dem Jahr maximal 19 werden), deren Steuermensch sich mit ebenfalls jugendlichen Vorschotern qualifiziert hat. Für die Meldung benötigt ihr mindestens 25 Punkte in der gleitenden Rangliste des Qualifikationszeitraums bis 14 Tage vor Meldeschluss.
Übrigens müssen sich alle Segler vor der Anmeldung zur IDJM beim DSV registriert haben!!

- Wie berechnen sich die Ranglistenpunkte?

Die Ranglisten werden immer für den Zeitraum von einem Jahr berechnet. Der jeweilige Stichtag ist in der Regel in der Überschrift angegeben. Bei Jahresranglisten gilt der 31. Dezember. Für die Qualifikation zu den Meisterschaften gibt es einen Stichtag kurz vor Meldeschluss.

Mit Ausnahme der Vorschoterrangliste, werden die Punkte dem Steuermann zugeschrieben. Daher werden einige Segler mit mehreren Vorschotern in der Rangliste geführt. Bei einer Umstellung des Teams werden nicht mehr aktuelle Vorschoter erst dann nicht mehr geführt, wenn alle gewerteten Regatten mit der neuen Besetzung gesegelt wurden. Für die Plazierung in der Rangliste wird immer der Durchschnitt der besten neun Wertungen berücksichtigt. Dabei kann abhängig von der Anzahl der Wettfahrten eine zweitägige Regatta maximal dreimal und eine längere Regatta maximal fünfmal gewertet werden.

Die einzelnen Punkte zu jeder Regatta berechnen sich nach folgender Formel:

Rp=f * 100 * ((s-p)/(s+1))

Der Gewinner der Regatta bekommt also immer das Hunderfache des Faktors und der Letzte knapp mehr als null Punkte. Dazwischen wird gleichmäßig nach Gesamtplatz verteilt. Ein auf den ersten Blick mäßig guter Platz bei einer hochrangigen deutschen oder internationalen Regatta kann also unter Umständen weniger Punkte bringen als der Sieg bei einer normalen Dorfregatta.

Regatten mit weniger als zehn mindestens einmal durchs Ziel gesegelten Booten werden nicht in der Rangliste berücksichtigt.

Die offizielle Formulierung für die Berechnung der Rangliste ist in den Ordnungsvorschriften des DSV bzw. genauer in der Ranglistenordnung nachzulesen.


- Woran erkennt man 29er Segler?

Am breiten Grinsen nach dem Segeln, welches oft nur noch operativ zu entfernen ist ;-)